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"Die (Re-)Konstruktion kollektiver Identität in Literatur und Landschaft des 18. Jahrhunderts"

Dr. Sigrid Rieuwerts
(Universität Mainz)

" believe this is the historical Age and this the historical Nation," schrieb David Hume über Schottland im Jahre 1770 und brachte damit das neue, in der zweiten Hälfte des 18. Jahr-hunderts entstehende Selbstverständnis zum Aus-druck: Eine kollektive Identität durch Verräum-lichung und Verzeitlichung.

o hatte James Macpherson mit seiner ersten Ossianpublikation Fragments of Ancient Poetry (1760) nicht nur ein heroisches Zeitalter erstehen lassen, sondern dies im schottischen Hochland lokalisiert. Nach den mißglückten Jakobineraufständen entwickelte sich hierdurch eine neue, im wesentlichen entpolitisierte kollektive Identitität in Schottland.

uch in England setzt mit Percys Reliques of Ancient English Poetry (1765) die Historisierung und Lokalisierung von Literatur ein, doch anders als in Schottland wurde nicht eine Region, sondern eine bestimmte Land-schaftsform und zwar der englische Landschafts-garten, zum Sinnbild einer neuen Denk-, Betrach-tungs und Empfindungsweise. Wie sehr auch hier in Lyrik und Landschaft eine neue Identität ausgehan-delt wird, zeigt sich u.a. daran, dass Percys Freund Shenstone nicht nur seinen berühmten Garden The Leasowes mit Ruinen und in Stein gemeißelten Gedichten ausstattete, sondern daß seine sogenan-nten prospect poems als emblematic of the nation as a whole (Charlesworth) gedeutet werden können. Nation wird hier, wie auch schon bei Macpherson, nicht als politisches Gebilde verstanden, und deshalb halte ich es für sinnvoller von kollektiver, statt von nationaler Identität zu reden.

ie (Re)konstruktion kollektiver Identität aus Fragmenten und Überresten von Epen, Liedern und Balladen, die sich noch in den "Kehlen der ältsten Müttergens" (Goethe) oder bei "unverdorbenen Kindern, Frauenzimmern und Leuten von gutem Naturverstande" (Herder) finden ließen, führte zur Entdeckung des Volkes. Hiermit, so wird argumentiert, war unweigerlich die Entdeckung der Landschaft verbunden.

nhand der Volksballaden und der lyrischen Dichtung (z.B. von Macpherson, Percy, Shenstone, Thomson) einerseits, Reise-berichten und den englischen Landschaftsgärten andererseits, soll die Neubestimmung des Men-schen in Raum und Zeit untersucht werden. Wie sich an John Clares und William Cowpers dich-terischer Auseinandersetzung mit den enclosures zeigt, müssen auch soziale und ethische Fragen Berücksichtigung finden bei der (Re-)konstruktion von kollektiver Identität.

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CV
Dr. Sigrid Rieuwerts (*1961)

Studium der Anglistik/Amerikanistik, Theologie und Germanistik an der Justus-Liebig Universität Gießen und der University of Lancaster für das Lehramt an Gymnasien in Rheinland-Pfalz.

Promotion mit einer Arbeit zu "Kulturnarratologie: Die Geschichte einer Geschichte".

Lehrtätigkeiten an der University of Kent at Canterbury, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Lettlands in Riga sowie an mehreren Schulen in England und Deutschland.

Seit 1997 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Lyrik, Narratologie, Kulturwissenschaft, Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Volksliteratur (bes. Balladen), zeitgenössisches Drama, Schottische Literatur in Vergangenheit und Gegenwart, Frauenliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts.

Herausgeberin der Publikationsreihe B·A·S·I·S (Ballads and Songs - International Studies) und Mitherausgeberin des Folk Music Journal (London).

Bibliography

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Books
    Fischer-Lichte, Erika, Christian Horn, Sandra Umatham, und Matthias Warstat (Eds.). Theatralität als Modell in den Kulturwissenschaften. Tübingen: Francke, 2004
    Fischer-Lichte, Erika, Christian Horn, Sandra Umatham, und Matthias Warstat (Eds.). Performität und Ereignis. Tübingen: Francke, 2003
    Fischer-Lichte, Erika, Christian Horn, Sandra Umatham, und Matthias Warstat (Eds.). Wahrnehmung und Medialität. Tübingen: Francke, 2001

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